Sauerländisches Mundartautorenlexikon erschienen

Das Christine-Koch-Archiv des Esloher Museums erschließt mit einem neuen Buch die plattdeutsche Landschaft. Unter dem Titel „Im reypen Koren“ (Im reifen Korn) hat das Esloher Museum soeben einen weiteren Band zur sauerländischen Mundartliteraturgeschichte vorgelegt.


Es handelt sich um ein stattliches Nachschlagewerk (768 Seiten) mit mehr als 900 Einträgen zu Menschen, Werken, Themen, Sachgebieten und Initiativen. Eine so umfassende Orientierung über plattdeutsches Schreiben und Mundartpflege in einer Landschaft ist vermutlich einzigartig. Berücksichtigung finden der Hochsauerlandkreis (358 Ortsbezüge), der Kreis Olpe (203 Ortsbezüge), der Kreis Soest (163 Ortsbezüge), der Märkische Kreis (151 Ortsbezüge), Hagen (38 Ortsbezüge) sowie das weitere märkische Sauerland – aber auch nähere Nachbargebiete des Sauerlandes [vgl. zu den Anteilen der Kommunen in den Kreisen die unten angehängte Statistik zu Ortsbezügen].

Im dritten Jahrtausend hat „Platt“, die einstige Umgangssprache der Sauerländer, nur noch für wenige Zeitgenossen eine ganz persönliche Bedeutsamkeit. Ein erweitertes Interesse an Sprache, Literatur, heimatlicher Sozialgeschichte und regionaler Kultur könnte nach dem – absehbaren – Sprachtod neue Zugänge vermitteln.

Wer zum Kulturgedächtnis des Plattdeutschen beitragen möchte, muss sich jedoch an erster Stelle einen zuverlässigen Überblick zu den Sprachzeugnissen verschaffen. Dafür bietet das neue Lexikon unersetzliche Hilfen an. Die Bestandsaufnahme zu Biographien und Werken wurde in anderthalb Jahrzehnten erarbeitet. Der Autor Peter Bürger hat Archive, Bibliotheken, Nachlässe, Tonträgersammlungen und Zeitschriftenbestände durchforstet und viele Leute in ihren Dörfern aufgesucht. Ein Großteil der erfassten Beiträge aus Heimatorganen ist heute sogar im Internet zugänglich.

Nicht nur die allseits bekannten Namen tauchen auf. Sehr viele Einsendungen an das Christine-Koch-Mundartarchiv und umfangreiche Recherchen vor Ort beziehen sich auf die sogenannten „kleinen Dichter“. Auf dieser breiten Grundlage kann nun erstmals dokumentiert werden, welchen Reichtum uns Menschen aus Anhänglichkeit zur niederdeutschen Sprache geschenkt haben, was sie dabei bewegt hat und wie vielfältig das Kulturphänomen des plattdeutschen Schreibens im Sauerland ist.

In der Darstellung wird großer Wert auf eine kritische Beleuchtung geschichtlicher Hintergründe gelegt. Dunkle Schatten wie die bereitwillige Anpassung von plattdeutschen Autoren unter dem Nationalsozialismus werden in den Biographien nicht ausgeklammert oder beschönigt. Nachzulesen sind auch zahlreiche Mitteilungen zu Sprachbiographien, in denen die Schreibenden über ihren persönlichen Weg und ihr Verhältnis zum Plattdeutschen berichten. Dadurch wird das Werk außerdem zu einer wertvollen Quelle für die Erforschung der regionalen Sprachgeschichte.

Im Internet ist als Heft 6 der Reihe „daunlots“ eine umfangreiche Vorstellung des Bandes abrufbar (Christine Koch- Mundartarchiv am Maschinen- und Heimatmuseum Eslohe). Darin kann man die vollständige Einleitung nachlesen und im Register vorab erkunden, welche Namen, Orte und Themen im Lexikon vertreten sind.

Buchtitel: Peter Bürger: Im reypen Koren. Ein Nachschlagewerk zu Mundartautoren, Sprachzeugnissen und plattdeutschen Unternehmungen im Sauerland und in angrenzenden Gebieten. (768 Seiten – fester Einband – 30,- Euro).

Zu bestellen über:
Shop des Museums Eslohe oder - Tel. 02973/2455 und 02973/800-220.
Erhältlich auch in der Schwanenapotheke Eslohe.


Pressekontakt zum Bearbeiter des Nachschlagewerks:
Peter Bürger, Kiefernstraße 33, 40233 Düsseldorf
peter(at)friedensbilder.de
Tel. 0211-678459